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Berlin - Gronau (Leine)

Von Samstag, 07. Juli bis Donnerstag, 12. Juli 2012; 704 km














Das Eiseck in Rehagen serviert ein sehr üppiges Frühstück, es liegt dann den halben Vormittag angenehm im Magen. Trotz der enormen Schwüle ist das Fahren heute angenehm.

Berlin mit dem Rad zu erleben ist toll, schon allein durch die enorme Reichweite, die das Rad bietet. Am beeindruckendsten fand ich den Dom. Am Schloss wird auffallend kräftig gebaut, das scheint höchste Priorität zu haben. Die Beschilderung der Radwege ist ganz akzeptabel. Mit ein paar Fragen und bescheidenen Karten kommt man leicht zurecht.

Nach Berlin beginnt der Regen, hört auch wieder auf und beginnt von vorne. Das Spiel wiederholt sich mehrfach und die Nässe dringt bis auf die Haut.

Ab dem unscheinbaren Ort Zerpenschleuse suche ich nach einer Unterkunft. Weder in diesem Ort noch in Liebenwalde noch Krewelin ist etwas zu finden. Schließlich lande ich in einer Pension in Zehdenick, die als solche bewirbt, in Wirklichkeit aber ein Hotel ist. Die bieten in ihrer Gaststätte Berliner Leber mit Kartoffelbrei an. Das habe ich natürlich ausgenutzt.

Heute, am Vormittag, ist wieder Kaiserwetter. So nach 6 km muss ich schon einen ersten Schluck aus meiner Wasserflasche nehmen. Die habe ich aber in der Pension vergessen. Dort hatte ich zuvor noch herumgeprahlt, dass ich besonders darauf achte, keinen Zimmerschlüssel mitzunehmen.

Die Route führt weiter entlang der Havel, teilweise durch Bilderbuchlandschaften und topfeben. Später dann entlang von Straßen, die alle ohne Radweg sind, teilweise auch noch gut befahren und mit Steigungen.

Das Kaiserwetter hält nicht an. Ab der Mittagszeit wird es drückend schwül, dann geht ein Gewitter nieder. Ich übernachte also wieder in einem Gasthaus.

Hier in Mecklenburg, so um Altentreptow herum, sind kaum Touristen zu sehen. Auch Übernachtungsmöglichkeiten sind rar. Ich lande schließlich im Gasthof zur Kegelbahn in Altentreptow, Kampfpreise.

Das Frühstück für 2€ ist überraschend reichhaltig, irgendwie DDR-Nostalgie, aber top in Schuss. Es ist jetzt kühl, hat dicke Wolken und ab und zu auch mal einen Schauer. Bis zur Straßenkreuzung bei Grimmen, die das Ziel meiner Reise ist, habe ich noch angenehmen Rückenwind.

Ab der Kreuzung kämpfe ich dann gegen den Wind, es hat starke Böen. Trotzdem komme ich flott weiter. Bei Nehringen führt der Radweg durch feuchte und sumpfige Niederungen, hier ist es wunderschön.

Die Eisenbahnbrücke bei Plaaz wird neu gebaut und die Straße über die Bahnlinie ist komplett gesperrt. Ein paar Kilometer vorher wird eine Umfahrung empfohlen. Ich lasse mich dadurch nicht beirren. Und tatsächlich, am Bahnhof in Plaatz gibt es eine Fußgängerüberführung über die Gleise. Nach einer kurzen Wanderung durch eine angrenzende Weise erreiche ich wieder die rettende Straße und kann ohne Umweg weiteradeln.

Heute war ein anstrengender Tag. Ich bin zufrieden und merke, dass mir beim Schreiben dieser Zeilen langsam die Augen zufallen.

Es ist eine sehr ruhige und erholsame Nacht hier im pikfeinen Zimmer des Gästehauses Heß in Güstrow. Auch beim Frühstück gibt man sich alle Mühe, mir wird sogar ein Rührei angeboten, was ich natürlich dankbar annehme.

Heute ist es unangenehm kühl, dann geht auch noch ein Schauer nieder und der begleitende Wind ist böig und heftig, ein richtiges Sauwetter. Zudem geht es ständig auf und ab. Das bessert sich erst etwa 30km weiter südlicher.

Das Fahren fällt mir heute schwer, seit dem 1km. Um die Mittagszeit setze ich dem ein Ende, ich gönne mir einen riesigen Pott Kaffee und eine Schwarzwälder Kirschtorte. Die Kirschtorte versprüht nicht mal einen Hauch von Kirschwasser, trotzdem hilft das über die zweite Tageshälfte. Die Radwege sind hier einsam und häufig kilometerlang kerzengerade, führen aber auch ab und an durch interessantere Walder.

Ich lande auf dem Campingplatz in Neu Göhren bei Eldena. Auf das Zelt geht auch gleich der erste kräftige Schauer nieder. Mal schauen, wie das morgen früh wird – Höchststrafe?

Um die Höchststrafe komme ich am nächsten Morgen herum und kann meine Sachen ohne Begleitregen einpacken. Wieder ein Frühstück mit Rührei. Das enthält reichlich Speck und liegt mir bis zur Mittagzeit schwer im Magen.

Heute geht es mir wieder nicht so gut, ich versuche das nochmals mit Kaffee und Kuchen zu bessern, habe aber nur mäßigen Erfolg. Die Strecke verläuft recht flach, ab und zu zeigt sich mal ein kleiner Anstieg. Wieder gehen Regenschauer nieder und der böige Gegenwind zermürbt mich nun schon den dritten Tag. Manchmal blitzt der Gedanke auf: „Warum das alles?“

Am Nachmittag gibt es wieder kräftige Schauer. Zusammen mit einem Radler-Ehepaar stelle ich mich in einem Wartehäuschen unter. Wir führen eine belanglose Unterhaltung. Obwohl es sehr eng in dem Häuschen ist, stellen die Beiden auch noch ihre Räder in das Häuschen, die sollen kein Wasser abbekommen.

Eine geeignete Unterkunft ist in Klein Oesingen nicht zu finden, nur ein 3 Sterne Reiterhotel. In Lachendorf werde ich dann fündig und übernachte im Gasthaus Tannenkrug. Nicht weit ist ein griechisches Lokal. Ich gehe pappsatt zu Bett.

Die Erfahrung lehrt seit Jahren, dass es sich fast immer, sowohl preislich wie vom Flair her, lohnt nicht gleich im erstbesten Gasthaus abzusteigen sondern über mehrere Dutzend Kilometer etwas Geeignetes zu suchen.

Es ist wieder ein mieser Tag. Es ist kalt und ich muss alles an Fahrklamotten anziehen, was ich dabei habe. Den halben Morgen regnet es, dazu kommt der böige Wind. Am Nachmittag ist es etwas besser.

Hannover ist, im Gegensatz zu Berlin, schnell durchfahren. Es hat auch beeindruckende Bauten, aber eine unmögliche Verkehrsführung vor dem Hauptbahnhof. Die Leute hier sind sehr freundlich. Bei einer Nachfrage wird man leicht eine längere Unterhaltung verwickelt.

Nach Hannover beeindruckt die Leinemasch, für das Rad ein schweres Gelände, die Reifen sinken in die weiche Wegoberfläche ein.

Ich übernachte im Eisfelder Hof in Gronau. Der Wetterbericht verheißt weiter nichts Gutes. Da reift der Beschluss die Radtour abzubrechen. Am nächsten Tag kaufe ich mir ein „Quer-durchs-Land-Ticket“ und fahre mit der Bahn nach Hause.

Fazit:

  • Auf der gesamten Strecke waren kaum Fernradler anzutreffen. Das machte die Tour etwas langweilig.
  • Um Stuttgart herum hat man für Fernradfahrer nicht viel übrig.
  • Auch mit Ferngepäck kommt man überall hin.
  • In den Ostgebieten macht Radfahren mehr Spass.
  • Es lohnt sich immer zu suchen, bis man eine geeignete Unterkunft gefunden hat.

 


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