Dijon – Orléans

Dienstag, 28. Juli, bis Samstag, 01. August 2009; 545 km

Die Tourist­information in Dijon hat einiges an Prospekten für Radfahrer zu bieten. Darin ist das gesamte Radwegenetz in Burgund und sogar der Eurovelo6 verzeichnet. Mit diesen Kartenausschnitten ist es einfach meine weitere Route zu finden.

Der Campingplatz in Dijon liegt fast in der Stadtmitte, ist aber erstaunlich ruhig und bis auf den letzten Platz belegt. Für Radfahrer mit Zelt gibt es aber immer noch ein Plätzchen.

Obwohl es in der Nacht etwas regnet kommt der nächste Tag mit viel Sonnenschein daher, fast ist es schon zu heiß. Die Landschaft hier ist gut hügelig, zudem wird der beschilderte Radweg oft unnötig über höher liegende Dörfer geführt. Es gilt also manch vermeidbaren Anstieg zu bewältigen und ich muss mich immer wieder neu motivieren. Offenbar haben sich hier die wirtschaftlichen Interessen gegen einen flach gehaltenen Radweg durchgesetzt. Teilweise sind die Radwege wieder schlecht beschildert. Auf die Route des Eurovelo6 bin ich, mehr durch Zufall, wieder in Palinges gestoßen. Übernachten werde ich in Palinges. Der Campingplatz ist trotz seiner für Zelte aggressiven Preisgestaltung empfehlenswert, wenn auch überteuert.

Der weitere Weg führt durch eine herrliche Hügellandschaft mit teilweise enormen, aber kurzen Anstiegen. Zudem ist es heiß und schwül und die Route wird teilweise wieder durch jedes höher liegende Dorf abseits des Kanals geführt. Viele der Dörfer, die liebevoll mit Blumen bepflanzt sind, wirken wie ausgestorben, man ist bei der Feldarbeit oder im Weinberg.

Ich zelte in Bourbon-Lancy. Der Ort zeigt sich heute von seiner besten Seite. Am Abend ist ein Konzert im Freien am See. Und auf dem Campingplatz ist es dann später angenehm ruhig.

Das Wetter wird am nächsten Tag zunächst etwas unfreundlich zu Radfahrern. Am Morgen ist der Himmel dicht verhangen, klart dann aber auf und es wird wieder heiß. Ein scharfer Gegenwind bläst. Auch die Strecke verlangt auch wieder einige Anstrengungen. Teilweise sind sehr steile, kurze Anstiege zu nehmen. Und wieder führt die ausgeschilderte Strecke durch jedes Dorf. Das hat auch positive Seiten, die Teilestrecken, die am Kanal entlang führen, sind dagegen langweilig.

Obwohl Frankreich als Land der Fahrradfahrer gilt, treffe ich nur auf ganz wenige Exemplare in diesen Abschnitten. Der einzige Fernradler, mit dem ich hier gesprochen habe, ist auf dem Weg von Südfrankreich in den Norden und fährt täglich so seine 200km. Allerdings hat er so gut wie kein Gepäck dabei. Trotzdem ist es eine mehr als respektable Leistung. Nachdem ich mit ihm eine kurze Strecke zusammen gefahren bin, ist er davongebraust, ich war ihm zu langsam. Die nächste Übernachtung ist in Pougues-les-Eaux. Der Campingplatz wartet mit wirklich guter Qualität und Kampfpreisen von 4,40€ für einen Radfahrer mit Zelt auf. Da bleiben kaum Wünsche offen.

Die nächste Etappe nach Gien verläuft wie der Tag zuvor. Es hat zwar keinen Gegenwind, dafür aber wieder einen platten Hinterreifen. Ich habe trotzdem Glück im Unglück. Etwa zwei Stunden zuvor habe ich einen Ersatzschlauch gefunden. Den wollte ich eigentlich schon vor Tagen in Altkirch kaufen. Es dauerte aber Tage ein Geschäft ausfindig zu machen, das einen passenden Schlauch mit französischem Ventil vorrätig hatte.

Ich gehe immer weniger essen, sondern kaufe mir unterwegs etwas zusammen, das ich dann irgendwo, meist auf einer Bank, verspeise. Heute war es ein blauer Ziegenmilchkäse, den ich in einem kleinen Laden auf dem Lande erstanden habe. Richtig gut geschmeckt hat er nicht, es war trotzdem einen Versuch wert.

Auf dem Campingplatz in Gien werde ich von einem Niederländer zum Kaffee eingeladen. Eine der ganz wenigen Einladungen auf dieser Reise.

Ab Gien beginnt dann ein leicht zu radelnder Abschnitt der Route. Es ist wieder heiß, der Weg bleibt aber ziemlich flach und ab Sully ist die Route auch teilweise ordentlich ausgebaut, teilweise aber auch noch ein Provisorium. Jetzt sind viel mehr Radreisende anzutreffen, nach Orléans wimmelt es dann davon. Da die Stadtbesichtigung viel anstrengender als das Radfahren ist will ich kurz nach Orléans, auf dem Campingplatz in la Chapelle-Saint-Mesmin, übernachten und verlasse Orléans auf einer stark befahren Straße, die mich weiter nach Westen führt.