Dunkerque – Lux­em­burg

Freitag, 21. August, bis Dienstag, 25. August 2009; 480 km

Die Nacht auf dem Campingplatz in Dunkerque verläuft, dank der Security, ganz ruhig.

Am nächsten Tag ist die Grenze nach Belgien schnell erreicht und nach wenigen Kilometern wirkt alles aufgeräumter, bunter und sauberer. Die kleinen Städtchen, die ich durchfahre, präsentieren eine herrlich harmonische Bausubstanz, die alten Häuser sind, teilweise aufwändig, renoviert und das Stadtleben macht einen ruhigen, gutbürgerlichen Eindruck. Auch ist man immer zu einem Späßchen aufgelegt, das habe ich wochenlang vermisst. In den Regionen hier leben offenbar sehr unterschiedliche Mentalitäten nah beieinander. Im Bezug auf Infrastruktur gibt es allerdings für mich eine gravierende Verschlechterung: Es sind kaum Campingplätze zu finden. Der Erste, der so in etwa auf meiner Strecke liegt, ist in Bachte-Maria-Leerne bei Deinze.

Es dauert am nächsten Tag nicht lange bis wieder kurze kräftige Steigungen auftauchen, ich muss also langsam fahren. Bald ist Brüssel erreicht. Um die Innenstadt scheint ein Ring mit überwiegend arabisch stämmigen Bewohnern zu liegen. Sehr beeindruckend ist der Marktplatz. Da steht Prachtbau an Prachtbau, ähnlich wie in Prag, das allerdings für mich noch eindrucksvoller war. Beim Manneken Pis bin ich auch vorbeigekommen. Das scheinen einige doch sehr wörtlich zu nehmen, jedenfalls roch es deutlich. Überraschenderweise kann die Tourist-Information in Brüssel keine Auskünfte über Radwege oder umliegende Campingplätze geben da nur Information zu Brüssel selbst aufbereitet vorliegen. Ich kann dann doch den Campingplatz in Beersel, kurz nach Brüssel ausfindig machen.

Durch Belgien radle ich nun schon zwei Tage. Ganz Belgien scheint ein großes Hufendorf zu sein. Jedenfalls sind fast alle Grundstücke, an denen ich vorbeifahre, mehr oder weniger mit Häusern bebaut. Dazwischen dann ein paar Haufendörfer oder Städte. Trotz der Dichte lässt die Beschilderung zu wünschen übrig. Zwar sind Radwege ausgeschildert, vielfach fehlen aber einfach Wegweiser oder Schilder mit Straßennummern, so dass manchmal das Orientieren schwierig ist.

Zudem ist Belgien am Sonntag eine Servicewüste. Fast alles ist geschlossen, selbst die Tankstellen, da bedienen nur die Automaten. Zum Glück habe ich einen McDonald‘s gefunden. Zusammen mit dem Essen, das ich mir am Vortag gekauft, hat es gerade gereicht um den Hunger zu stillen. Die Fahrt nach Namur ist schwierig. Der starke Gegenwind und die Auf und Ab drücken das Durchschnittstempo auf nur 13,9 km/h. Ein Lichtblick ist die Stadt Namur und die folgende Fahrt entlang der Meuse, beide sind wirklich attraktive Sehenswürdigkeiten. Auch der Service der Tourist-Information in Namur ist vorbildlich. Dort erhalte ich Prospekte mit Radtouren bis nach Luxemburg und auch Informationen zu den nächsten Campingplätzen. Ich übernachte an den Ufern der Meuse in Godinne.

Dann kommt es hart, der nächste Tag ist der anstrengendste der ganzen Tour. Die Steigungen beginnen ab Dinant und sie sind, bis auf das Teilstück der stillgelegten Eisenbahnstrecke von Houyet nach Rochefort, gnadenlos. Bis zum Nachmittag kommt noch die pralle Sonne hinzu, es wird sehr heiß, später dann unangenehm schwül. Zum Glück kann ich weite Strecken im Schatten von Bäumen fahren. Ich bin also in den Ardennen.

Hier lernt man Geduld. Das Bergfahren ist mit meinem Gepäck möglich, so etwa ab 10% Steigung sinkt aber die Geschwindigkeit auf ein Minimum. Umgefallen bin ich jedenfalls nicht, der Tagesdurchschnitt sinkt aber weiter auf 12,6 km/h.

Der Campingplatz in St. Hubert liegt etwas außerhalb und mitten im Wald. Ich bin hier der einzige mit Zelt und weitab vom Gebäude des Betreibers, auf einer Lichtung, mitten im Wald. Vereinzelt liegen im Wald ringsum Dauercampingplätze, allerdings ist nicht ein einziger Camper anzutreffen. Nachts herrscht dann, bis auf die im Wald üblichen Geräusche, absolute Stille. Mitten in der Nacht wache ich auf, da ein Unwetter mit Regengüssen, Blitz und Donner sich ankündigt. Es gießt aus allen Kübeln und furchtbar laute Donnerschläge gehen nieder. Glücklicherweise bleibt im Zelt alles trocken. Ich habe den Rest der Nacht erstaunlicherweise noch sehr erholsam geschlafen. Das Zelt muss ich am nächsten Morgen wieder einmal klatschnass abbauen und einpacken, da auf der Waldlichtung nichts trocknet.

Die Grenze zwischen Belgien und Luxemburg ist kaum zu erkennen, es werden lediglich die Straßenverhältnisse besser und die Steigungen moderater. Wie in Belgien wird auch in Luxemburg für die Campingplätze keine Werbung auf den Straßen betrieben. In Septfontaines habe ich trotzdem einen sehr schönen Campingplatz gefunden. Vor allem bietet die zugehörige Gaststätte Wiener Schnitzel an. Das habe ich mir nicht entgehen lassen.