Orléans – Nantes

Sonntag, 02. August, bis Mittwoch, 05. August 2009; 429 km

Der Radweg zum Campingplatz nach Chapelle-Saint-Mesmin führt westlich von Orléans an einer stark befahrenen Straße entlang. Eine etwas unangenehme Überraschung ist es dann, dass in Chapelle-Saint-Mesmin der Campingplatz geschlossen und der nächste erst im ca. 20 km entfernten Beaugency ist. Diese Zugabe kann ich, trotz der ermüdenden Stadtbesichtigung in Orléans dann noch relativ locker wegstecken, ich habe beim Bergauffahren erstmals keine Schmerzen mehr in den Oberschenkeln.

Bei der Übernachtung wurde ich auf eine sehr subtile Art unterhalten. Vorausschickend ist zu sagen, dass fast alle Stellplätze auf dem Campingplatz frei waren. In der Nacht kamen die Camper, die auf dem übernächsten Stellplatz neben mir übernachteten. Ihr Auto parkten sie aber auf dem mir unmittelbar gegenüberliegenden Platz rückwärts ein. Hierzu waren mehrere Einparkversuche notwendig. Abgesehen vom Abgasgestank war mein Zelt taghell erleuchtet und ich natürlich hellwach. Meine Hoffnung ist noch heute, dass dieses Vorgehen ein Versehen oder dem Alkohol geschuldet war. In der Nacht regnet es dann. Morgens hat es schon wieder aufgehört, es sind nur noch dicke Wolken am Himmel und im Laufe des Tages hellt er sich immer weiter auf.

Die Radstrecke ist jetzt hervorragend beschildert und auch einigermaßen ausgebaut. Es gibt hier auffallend viele Fernradler und Campingplätze, leider auch massiven Gegenwind. Meine Essensgewohnheiten habe ich inzwischen ganz umgestellt. Morgens gibt es einen Cafe und 2 Croissants, im Laufe des Tages dann irgendwelche Kleinigkeiten und so zwischen 4 und 6 Uhr die Hauptmalzeit. Ich bin jetzt 9 Tage unterwegs und mein Körper hat sich auf das tägliche Radfahren mit dem Gepäck eingestellt. Die nächste Übernachtung ist auf dem Campingplatz in La Ville-aux-Dames.

Die Tage verlaufen immer gleichförmiger, es wird schon etwas langweilig. Vielleicht sollte ich mehr besichtigen. Ich entschließe mich dann aber doch fürs Radfahren. Es gibt hier schließlich erstaulich viele steile Anstiege, die sorgen schon für etwas Abwechslung. Ich bin mit mir beschäftigt. Und dann die Städtchen am Hang. Durch die zu radeln beeindruckt mich am meisten. Viele Briten sind hier anzutreffen, ich bin in ihrem Urlaubsgebiet. Übernachten möchte ich auf dem Campingplatz in Gennes.

Der Campingplatz in Gennes hat auch einen Höhepunkt zu bieten. In der Nacht terrorisieren 2 (einheimische) Biker den Platz. Sie fahren mit ihren lautstarken Mopeds dauernd vorbei. An Schlafen im Zelt ist in der Zeit nicht zu denken. Keiner unternimmt etwas, ich auch nicht.

Auch nach Gennes gibt es dann wieder diese kurzen und steilen Anstiege, jetzt aber mit viel Rückenwind. Die Strecke wird auch wieder interessanter, beispielsweise sind erste Palmen zu sehen. Manche Brücken über die Loire haben auf der Fahrspur keinen Platz für Radfahrer und schon gar keinen Radweg. Für mich bleibt dann nur der Fußweg, alles andere wäre bandgefährlich. Das Wetter ist traumhaft, nur etwas zu schwül. Wegen der Hitze und den vielen Ansteigen bin ich heute schon am frühen Nachmittag völlig ausgelaugt und pfeife auf dem letzten Loch. Übernachtet wird in Ancenis.

Die Nacht im Zelt ist wie fast immer sehr erholsam und am nächsten Tag bin ich um die Mittagszeit schon in Nantes. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung möchte ich mich in der „locationdevelos.com“ über einen Radweg nach Brest erkundigen. Das ist aber nicht vorgesehen. Das Büro hat von 12:30h bis 14:00h geschlossen. Toller Service, ich war verärgert. Diese Scharte konnte die normale Tourist-Information aber mehr als wettmachen. Dort bekam ich die gewünschten Auskünfte. Die hatten sogar eine Broschüre über einen Radweg entlang des Kanals Nantes-Brest. Die Existenz dieses Kanals war mir nicht bekannt, ich hatte mich ja nur grob auf die Tour vorbereitet. Ein Radweg am Kanal hat nur moderate Anstiege. Mir war das nach den giften Anstiegen mehr als willkommen. Die Einladung habe ich also sehr bereitwillig angenommen.