Wien – Seč

Samstag, 19. Juli bis Mittwoch 23. Juli 2008; 427 km

Den Abzweig vom Donauradwanderweg auf den Radweg nach Brünn zu finden ist für Ortsunkundige schwierig. Es gibt da nur ein Hinweisweischild auf Jedlersdorf. Auf diesem schmalen ungeteerten Pfad soll ein europäischer Radwanderweg verlaufen? Das vermutet so leicht niemand. Der Wanderweg ist zunächst gut beschildert. Nach Jedlersdorf kann ich, auch nach einer längeren Suche, keine Schilder mehr entdecken. Ich bin wieder auf meine Straßenkarte angewiesen. Um den Radwanderweg wiederzufinden frage ich danach. Erst nach einigem Hin und Her stoße ich auf eine Radlergruppe, die mir eine Liste der Orte bis zur Grenze nach Tschechien nennen kann. Das hilft mir auf den Radweg zurückzufinden. Die Landschaft ist hier lieblich, der Radweg meist auch, allerdings hat es einige kurze und kräftige Anstiege.

Ich übernachte in einem Waldgasthaus in Mistelbach (Martinsklause), das mir bei meinen Erkundigungen empfohlen wird. Diese Empfehlung kann ich auch weitergeben, es sei denn, man scheut die steile Anfahrt.

Der Übertritt nach Tschechien ist problemlos. Auf der tschechischen Seite ist mal wieder kein Radweg beschildert. Ich muss mich also nach der Straßenkarte orientieren.

Ein interessantes Erlebnis habe ich später auf dem Campingplatz in Pasohlávky. Dort baue ich mein Zelt relativ weit entfernt neben einer „Wagenburg“ auf. Als ich von einem Spaziergang zurück komme grillen die „Wagenburgler“ außerhalb ihres Bereichs unmittelbar neben meinem Zelt obwohl an anderen Stellen genügend Platz gewesen wäre. Ich habe dann mein Zelt umgesetzt. Ich möchte schließlich nicht den Sternenhimmel durch ein Loch im Zeltdach anschauen können.

Es geht jetzt ständig auf und ab. Dazu gesellt sich ein starker Gegenwind. Die Gegend lässt bei mir Erinnerungen an die DDR, kurz nach dem Mauerfall, wach werden. Die Stadt Brünn versprüht zwar etwas Flair, aber auch hier sind die Segnungen des Sozialismus deutlich zu sehen.

Die Erfahrungen auf dem Teilstück ab Wien haben meinen Entschluss reifen lassen, nicht nach Danzig zu radeln. Hierzu bräuchte ich bessere Sprachkenntnisse und besseres Kartenmaterial. Sicherlich würde ich letzteres irgendwo kaufen und mich mit Händen und Füßen verständigen können. Ich möchte aber nicht einen Großteil der Zeit hierauf verwenden, sondern hauptsächlich Fahrrad fahren. Für eine längere Fahrt durch Polen hätte ich mich besser vorbereiten müssen. Ich will nach Prag und dann auf dem Elberadweg weiterfahren.

In Veverská Bítýška zelte ich auf den Campingplatz Hanna. Der ist vollständig in holländischer Hand und sehr zu empfehlen. Im Ort selber gibt es eine Gaststätte, die Schnitzel mit Pommes zum Abendessen serviert. An Knoblauch wird nicht gespart. Ein Abendessen im Schlaraffenland.

Die weitere Strecke ist herausfordernd. Steigungen sind häufig, kurz aber kräftig, und können schon mal so knapp unter 20% sein. Dazu kommt noch Gegenwind. Mehr als 70 km sind an solchen Tagen für mich nicht möglich, ich bin fix und fertig. In Nové Mesto na Morave finde ich ein einfaches Zimmer für 220 Kr. Deutsch spricht hier niemand. Mit Englisch, den Händen und Füßen ist die Verständigung kein Problem.

Nach Nové Mesto werden die Hügel wieder sanfter und der Weg nach Seč ist geradezu erholsam. In Seč übernachte ich auf dem schönen Campingplatz. Zum Abendessen in einer Pizzeria bestelle ich mir Cola und Fanta. Gebracht wird Wasser und O-Saft mit der Erklärung, dass kein Fanta und Cola da sei.