Mit dem Rad von Berlin bis fast auf Rügen und zurück nach Gronau (Leine)

eine einsame Radtour durch die neuen Bundesländer; 6 Tage, 704 km

Das Eiseck in Rehagen serviert ein sehr üppiges Frühstück, es liegt den halben Vormittag angenehm im Magen.

Berlin mit dem Rad zu erleben ist toll, schon allein wegen der großen Reichweite, die das Rad bietet. Am beeindruckendsten finde ich den Dom. Sehr emsig wird am Schloss gebaut, das scheint höchste Priorität zu haben. Die Beschilderung der Radwege ist ganz akzeptabel. Mit ein paar Fragen und bescheidenen Karten komme ich leicht zurecht.

Flughafen Tempelhof, Adlerkopfstatue (Eagle Square)
Flughafen Tempelhof, Adlerkopfstatue (Eagle Square)
Berlin, Parteizentrale der SPD
Berlin, Parteizentrale der SPD
Berlin, Ausstellungsgraben an der Niederkirchnerstraße
Berlin, Ausstellungsgraben an der Niederkirchnerstraße
Berlin, Checkpoint Charlie
Berlin, Checkpoint Charlie

Nach Berlin beginnt es zu regnen, hört auch wieder auf und beginnt von vorne. Das Spiel wiederholt sich mehrfach, die Nässe dringt bis auf die Haut.

Ab dem unscheinbaren Ort Zerpenschleuse suche ich nach einer Unterkunft. Weder in diesem Ort, noch in Liebenwalde oder Krewelin ist etwas zu finden. Schließlich lande ich in einerPension in Zehdenick,die sich als solche bewirbt. In Wirklichkeit ist es ein Hotel. Es bietet in seiner Gaststätte Berliner Leber mit Kartoffelbrei an. Das habe ich natürlich ausgenutzt.

Berlin , Potsdamer Platz, Bahntower
Berlin , Potsdamer Platz, Bahntower
Berlin, Brandenburger Tor
Berlin, Brandenburger Tor
Berlin, Fernsehturm (von Unter den Linden)
Berlin, Fernsehturm (von Unter den Linden)
Berlin, Straße des 17. Juni - Siegessäule
Berlin, Straße des 17. Juni - Siegessäule

Heute, am Vormittag, ist wieder Kaiserwetter. So nach sechs Kilometern will ich einen ersten Schluck aus meiner Wasserflasche nehmen und stelle fest, dass ich sie in der Pension vergessen habe. Dort hatte ich zuvor noch herumgeprahlt, dass ich besonders darauf achte, keinen Zimmerschlüssel mitzunehmen.

Die Route führt zunächst entlang der Havel, teilweise durch Bilderbuchlandschaften und es ist topfeben. Später radle ich entlang von Straßen, die alle ohne Radweg sind, teilweise auch noch gut befahren und immer mit Steigungen.

Das Kaiserwetter hält nicht lange an. Ab der Mittagszeit wird es drückend schwül, dann geht ein Gewitter nieder. Ich übernachte also in einem Gasthaus.

Berlin, Reichstag
Berlin, Reichstag
Berlin, Bundeskanzleramt
Berlin, Bundeskanzleramt
Berlin, Spreebogen
Berlin, Spreebogen
Berlin, Dom
Berlin, Dom
Altentreptow Kegelbahn

Hier in Mecklenburg, so um Altentreptow herum, sind kaum Touristen zu sehen. Auch Übernachtungsmöglichkeiten sind rar. Ich lande schließlich im Gasthof zurKegelbahnin Altentreptow, Kampfpreise. Selbst das Frühstück für 2 € ist sehr reichhaltig, top.

Es ist jetzt kühl, hat dicke Wolken und ab und zu auch mal einen Schauer. Bis zur Straßenkreuzung bei Grimmen, die das Ziel meiner Reise ist, habe ich noch angenehmen Rückenwind.

Ab dieser Kreuzung kämpfe ich gegen den Wind, es hat starke Böen. Trotzdem komme ich flott weiter. Bei Nehringen führt der Radweg durch feuchte, sumpfige Niederungen. Hier ist es wunderschön.

Die Eisenbahnbrücke bei Plaaz wird neu gebaut und die Straße über die Bahnlinie ist komplett gesperrt. Ein paar Kilometer vorher wird eine Umfahrung empfohlen. Ich lasse mich dadurch nicht beirren. Und tatsächlich, am Bahnhof in Plaatz gibt es eine Fußgängerüberführung über die Gleise. Nach einer kurzen Wanderung durch eine angrenzende Wiese erreiche ich wieder die rettende Straße und kann, ohne einen Umweg gemacht zu haben, weiteradeln.

Heute war ein anstrengender Tag. Ich bin mit mir zufrieden und merke, dass mir beim Schreiben dieser Zeilen langsam die Augen zufallen.

Es ist eine sehr ruhige und erholsame Nacht hier im piekfeinen Zimmer desGästehauses Heßin Güstrow. Auch beim Frühstück gibt man sich alle Mühe, mir wird sogar ein Rührei angeboten, was ich natürlich dankbar annehme.

Altentreptow Kegelbahn
Havel bei Himmelpfort
Havel bei Himmelpfort
Neubrandenburg, Stargarder Tor
Neubrandenburg, Stargarder Tor
Neubrandenburg, heulender Wolf bei der Marienkirche
Neubrandenburg, heulender Wolf bei der Marienkirche
Neubrandenburg, Marienkirche
Neubrandenburg, Marienkirche

Auf dem Rad ist es am nächsten Tag unangenehm kühl, es gehen Schauer nieder, der begleitende Wind ist böig und heftig, ein richtiges Sauwetter. Zudem geht es ständig auf und ab. Das bessert sich erst nach etwa 30 km.

Das Fahren fällt mir trotzdem immer schwerer. Um die Mittagszeit setze ich dem ein Ende und gönne mir einen riesigen Pott Kaffee und eine Schwarzwälder Kirschtorte. Leider versprüht die Kirschtorte nicht mal einen Hauch von Kirschwasser, trotzdem hilft sie über die zweite Tageshälfte. Die Radwege sind hier einsam und häufig kilometerlang kerzengerade, führen aber auch ab und an durch interessante Wälder.

Neubrandenburg, Turnvater Jahn Denkmal
Neubrandenburg, Turnvater Jahn Denkmal
Ziel meiner Reise, Straßenkreuzung bei Brönkow
Ziel meiner Reise, Straßenkreuzung bei Brönkow
Peene in Demmin
Peene in Demmin
Nehringen
Nehringen

Ich lande auf demCampingplatz in Neu Göhren bei Eldena. Auf das aufgebaute Zelt geht auch gleich der erste kräftige Schauer nieder. Mal schauen, wie das morgen früh wird – Höchststrafe?

Um die Höchststrafe komme ich am nächsten Morgen herum und kann meine Sachen ohne Begleitregen einpacken. Wieder ein Frühstück mit Rührei. Das enthält reichlich Speck und liegt mir bis zur Mittagzeit schwer im Magen.

Heute geht es mir wieder nicht so gut, ich versuche das nochmals mit Kaffee und Kuchen zu bessern, habe aber nur mäßigen Erfolg. Die Strecke verläuft recht flach, ab und zu zeigt sich mal ein kleiner Anstieg. Wieder gehen Regenschauer nieder und der böige Gegenwind zermürbt mich nun schon den dritten Tag. Manchmal blitzt der Gedanke auf: „Warum das alles?“

Trebel bei Nehringen
Trebel bei Nehringen
A24 bei Groß Godmens
A24 bei Groß Godmens
Grabow, sowjetischer Ehrenfriedhof
Grabow, sowjetischer Ehrenfriedhof
Grabow, Bolbrüggsche Mühle
Grabow, Bolbrüggsche Mühle
Tannenkrug Lachendorf

Auch am Nachmittag gibt es kräftige Schauer. Zusammen mit einem Radler-Ehepaar stelle ich mich in einem Wartehäuschen unter. Wir führen eine belanglose Unterhaltung. Obwohl es sehr eng in dem Häuschen ist, stellen die beiden auch noch ihre Räder in das Häuschen, die sollen ja keinen Wassertropfen abbekommen.

Eine geeignete Unterkunft ist in Klein Oesingen nicht zu finden, nur ein drei Sterne Reiterhotel. In Lachendorf werde ich dann fündig und übernachte im Gasthaus Tannenkrug. Nicht weit ist ein griechisches Lokal. Ich gehe pappsatt ins Bett.

Die Erfahrung lehrt seit Jahren, dass es sich fast immer, sowohl preislich als auch vom Flair her, lohnt, nicht gleich im erstbesten Gasthaus abzusteigen, sondern über mehrere Dutzend Kilometer etwas Geeignetes zu suchen.

Tannenkrug Lachendorf
Elbe bei Dömitz, im Hintergrund
Elbe bei Dömitz, im Hintergrund
Elbe Seitenkanal, bei Wentorf
Elbe Seitenkanal, bei Wentorf
A2 bei Hannover - Langenhagen
A2 bei Hannover - Langenhagen
Hannover, Mittellandkanal
Hannover, Mittellandkanal

Es ist wieder ein mieser Tag. Ich muss alles an Fahrradklamotten anziehen, was ich dabei habe, um nicht zu frieren. Den halben Morgen regnet es, dazu kommt dieser böige Wind. Am Nachmittag ist es etwas besser.

Hannover ist, im Gegensatz zu Berlin, schnell durchfahren. Es hat auch beeindruckende Bauten, aber eine unmögliche Verkehrsführung vor dem Hauptbahnhof. Die Leute hier sind sehr freundlich. Bei einer Nachfrage wird man leicht in eine längere Unterhaltung verwickelt.

Hannover, der verunstaltete Hauptbahnhof
Hannover, der verunstaltete Hauptbahnhof
Hannover, Staatsoper
Hannover, Staatsoper
Hannover, Maschsee
Hannover, Maschsee
Hannover, Späte Holzwiese
Hannover, Späte Holzwiese

Nach Hannover beeindruckt die Leinemasch, für das Rad ein schweres Gelände, die Reifen sinken in die weiche Wegoberfläche ein.

Ich übernachte im Eisfelder Hof in Gronau. Der Wetterbericht verheißt weiter nichts Gutes. Da reift der Beschluss die Radtour abzubrechen. Am nächsten Tag kaufe ich mir ein „Quer-durchs-Land-Ticket“ und fahre mit der Bahn nach Hause.

Fazit:

  • Auf der gesamten Strecke sind kaum Fernradler anzutreffen. Das macht die Tour einerseits interessant, andererseits etwas langweilig.
  • Um Stuttgart herum mag man keine Fernradler. Die Radinfrastruktur ist mehr als peinlich.
  • Auch mit einer Campingausrüstung kommt man überall hin.
  • In den Ostgebieten macht Radfahren mehr Spaß.
  • Für derart lange Touren lohnt sich eine hochwertige Ausrüstung.
  • Es lohnt sich immer, auch länger, zu suchen, bis man eine Unterkunft gefunden hat, die einem gefällt.